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Wien, am 15. Oktober 2004


Vereinsnachrichten 03/2004


Liebe Mitglieder und Freunde
der Geologischen Gesellschaft

Mit der Ende September in Graz unter der Regie von Werner Piller und Bernhard Hubmann stattgefundenen PANGEO Austria 2004 fand diese vor zwei Jahren von Franz Neubauer in Salzburg an Stelle der früheren Wandertagungen der ÖGG aus der Taufe gehobene und als Leistungsschau der österreichischen Erdwissenschaften gedachte Tagungsserie ihre erfolgreiche Fortsetzung. Das organisatorische Konzept mit weniger Vorträgen und mehr, die Vorträge jeweils thematisch ergänzenden Posters hielt die Besucher in Bewegung und forderte verstärkt zur Diskussion auf. Eine Detailanalyse dieser Präsentationswichtung sollte den Innsbrucker Veranstaltern der PANGEO Austria 2006 eine gute Basis für die Ausrichtung der nächsten PANGEO Tagung sein.

Im Rahmen der Grazer PANGEO wurde auch dem Thema "Geologie an Österreichs Universitäten" einiger (Diskussions)Raum eingeräumt. Der als Berater der Wissenschaftsministerin Gehrer tätige Univ. Prof. Dr. Titscher, frei gestellter Soziologieprofessor an der WU, hat dieses Thema in seinem Vortrag mit dem Titel "Profilentwicklung an Österreichs Universitäten: Beispiel Geowissenschaften" ausführlich beleuchtet und Ansätze von künftigen Änderungen der Geologie-Ausbildungsstandorte in Österreich erkennen lassen. In diesem Vortrag wurde das vorläufige Ergebnis einer von einem darauf spezialisierten Institut der Universität Leiden, Holland, im Auftrag des Wissenschaftsministeriums durchgeführte "bibliometrische Analyse der Geowissenschaften in Österreich 1999 – 2003" vorgestellt, in welcher Qualität und Quantität von Publikationen der Mitarbeiter von acht geologischen Universitätsinstituten in internationalen Zeitschriften untersucht worden sind. Hintergrund dieser Studie ist der fortschreitende Geldmangel für Österreichs Universitäten mit dem Ziel Einsparungspotentiale zu finden und letztlich auch zu realisieren. Das Ergebnis, kurz gesagt, lautet: in Summe liegt die Qualität der betrachteten wissenschaftlichen Arbeiten etwas unter dem internationalen Durchschnitt, im Detail halten manche Institute bzw. deren Mitarbeiter sehr wohl mit dem internationalen Durchschnitt mit.

Als erste Konsequenz werden, so Titscher, die Universitäten aufgefordert, selbst Einsparungsvorschläge auszuarbeiten, sollten diese jedoch nicht kommen oder zu gering ausfallen, hält sich das Ministerium schärfere Schritte vor. Im Klartext heißt das wohl, dass Institutszusammenlegungen oder –schließungen folgen könnten. Ehe es so weit kommt, sollen jedoch Vertreter aller geologischen Institute zu einer Diskussion ins Ministerium eingeladen werden. Ein Zeitplan ist nicht genannt worden, dies sollte aber bald nach Vorliegen des endgültigen Berichts der Fall sein.

In der anschließenden Diskussion habe ich Prof. Titscher ersucht, bei der Betrachtung der Zielsetzung und Qualität der geologischen Institute und deren wissenschaftlichen Nachwuchses nicht nur das akademische Ziel sondern auch die Bedürfnisse der Wirtschaft zu berücksichtigen. Und zur Wirtschaft zählen hier privatrechtlich organisierte wie in öffentlicher Hand befindliche Einrichtungen, welche vorwiegend in den angewandten Geowissenschaften ihr Aktionsfeld sehen. Diese Wirtschaft/Industrie braucht nicht nur gut sondern auch zielorientiert ausgebildete Nachwuchskräfte, welche bereit sind, mit ihrem Wissen und Können zur Sicherung und Weiterentwicklung unseres immer anspruchsvoller werdenden Lebens beizutragen und Verantwortung zu übernehmen. Die aus derartiger Kooperation resultierenden Synergieeffekte können nur zum beiderseitigen Nutzen sein und es wäre meines Erachtens sträflich, nicht beide Aspekte, Wissenschaft und Wirtschaft, wahrnehmen und ihnen gleichermaßen gerecht werden zu wollen.

Obwohl Prof. Titscher meinen Vorschlag nicht aufgreifen sondern nur mit Universitätsvertretern das Gespräch suchen möchte, dürfen und werden wir dem weiteren Verlauf der Diskussion mit Interesse entgegenblicken.

Ich möchte Sie an dieser Stelle auch daran erinnern, dass am 25. November unsere heurige Generalversammlung stattfindet und Sie bis dahin bzw. dort Ihren Stimmzettel für die Wahl des Vorstandes 2005-06 abzugeben aufgerufen sind.

Mit den besten Wünschen ein persönlich und beruflich interessantes Wintersemester,

Ihr
Wolfgang Nachtmann


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