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10. Internationales
Erbe Symposium

   


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Tagungsmünze 10. Internationales Erbe Symposium

   

Kulturelles Erbe in Geo-
und Montanwissenschaften

Bibliotheken – Archive – Museen – Sammlungen

Von Tillfried Cernajsek und Christoph Hauser

Das "Internationale Erbe-Symposium" hat in wenigen Jahren eine unglaubliche Geschichte erlebt. Im Jahre 1993 wurde dieses zunächst als internationaler Wokshop zum Kulturellen Erbe in den Geo- und Montanwissenschaften von Peter Schmidt, Bergakademie Freiberg/ Sachsen und Lieselotte Jontes, Montanuniversität Leoben, auf Grund bilateraler Vereinbarungen ins Leben gerufen. Dem Ruf der beiden nach Freiberg folgten 140 Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus 24 Ländern und 5 Kontinenten. Es war die Geburtsstunde einer unerwarteten Aufeinanderfolge von Treffen einschlägig interessierter Kollegen und Kolleginnen aus aller Welt in verschiedensten Ländern in Europa und Nordamerika.

Nach 16 Jahren, zum 10. Erbe Symposium, traf man sich wieder in Freiberg und zog Bilanz. Es sollte an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, dass die österreichischen Teilnehmer dieser Symposien einen wesentlichen Anteil zum Fortbestand des Erbe- Symposiums hatten. So sind die ersten drei Tagungsbände sowie der Abstractband Schwaz (2005) unter der Redaktion von Tillfried Cernajsek, Lieselotte Jontes und Christoph Hauser, Layout Christoph Hauser, in den Berichten der Geologischen Bundesanstalt erschienen. Die Mittel wurden zum Großteil von der Geologischen Bundesanstalt, aber auch durch beträchtliche Förderungen der österreichischen Rohstoffwirtschaft aufgebracht.

Am 29. September 2009 wurden in der "Alten Mensa" die Teilnehmer durch die Hauptorganisatorin, Angela Kiessling, die Leiterin der Universitätsbibliothek Freiberg, Katrin Stump, und dem Oberbürgermeister Freibergs, Bernd-Erwin Schramm feierlich begrüsst. Letzterer betont, dass gerade in seiner Stadt die Pflege und Bewahrung des kulturellen Erbes einen sehr hohen Stellenwert besitzt. In Freiberg bestehen zahlreiche Einrichtungen, die dieses Erbe dokumentieren und dafür Sorge tragen, dass es an die nachfolgenden Generationen weiter gegeben wird. Anschliessend lud Omar Escamilla zum Erbe Symosium 2011 nach Mexiko ein und machte uns durch seine Ausführungen und Bilder neugierig Frau Gabriela Sanchez-Reyes brachte den ersten Vortrag: sie analysierte den Zusammenhang zwischen den Heiligen im Bergbau, der Jungfrau von Guadeloupe und der Heiligen Barbara. Es folgten Vorträge zu den digitalen Erfassungen und Verwaltungen wissenschaftlicher Archivalien und Nachlässe.

Am Nachmittag gab es 2 Stadtführungen zur Auswahl, eine allgemeine und eine thematische zum ehemaligen Bergbau in der Stadt Freiberg. Begonnen wurde bei beiden Exkursionen mit der Besichtigung des Freiberger Domes (mit Orgelspiel). Die bergbaubezogene Exkursion führte u.a. zum Abraham Gottlob Werner-Bau, einem renoviertem ehemaligen Huthaus beim Krankenhaus, dem Donats-Friedhof (wo u.a. auch Peter Schmidt begraben wurde), sowie zahlreiche Spuren der früheren Bergbautätigkeit wurden uns gezeigt.

Freiberg hat seit 1993 sein Stadtbild auffällig verändert. Die Innenstadt nähert sich ihrer vollständigen Restaurierung. Auf Schritt und Tritt stößt man auf historische Gedenkstätten oder auf den Bergbau zugewandte Fachgeschäfte. Am augenfälligsten ist die vollständige Restaurierung und Revitalisierung des Schlosses Freudenstein. Hier befinden sich seit dem vergangenen Jahr das Bergarchiv des Sächsischen Staatsarchivs und die Terra Mineralia.

Gastgeber der internationalen Tagung waren die Universitätsbibliothek "Georgius Agricola" und das Sächsische Staatsarchiv Bergarchiv Freiberg. Rund 180 Teilnehmer aus zehn europäischen Ländern sowie Algerien, Indien, Mexiko, Kanada und den USA waren angemeldet, um Erfahrungen auszutauschen, wie mit unveröffentlichten Manuskripten und wissenschaftlichen Nachlässen umzugehen ist. Vier Themen standen diesmal im Mittelpunkt:

  1. der Umgang mit unveröffentlichten Manuskripten und wissenschaftlichen Nachlässen,
  2. die Betrachtung Wissenschaftlicher Nachlässe als ungenutzte Quellen für die wissenschaftliche und wissenschaftshistorische Forschung,
  3. Sammeln und Erschließen von unveröffentlichten Manuskripten und Handschriften in wissenschaftlichen Nachlässen und Sammlungen,
  4. Die Rolle von Bibliotheken, Archiven, Museen und Sammlungen bei der Bereitstellung von Informationen aus Nachlässen im elektronischen Zeitalter.

Es muss aber mit Bedauern festgestellt werden, dass eine Reihe angemeldeter Tagungsteilnehmer nicht kommen konnte; erstmals war auch Russland überhaupt nicht vertreten. Dies wird wohl auf die derzeitige weltweite Wirtschaftssituation zurückzuführen sein. Österreich war mit einer stattlichen "Delegation" vertreten.

Aufgrund der zahlreichen Vorträge gab es zwei Vortragslokalitäten: eine Serie der Vorträge fand im Schloss Freudenstein/Sächsischen Staatsarchiv, Abteilung Bergbau, die anderen in der "Alten Mensa", Petersstraße, statt.

Am zweiten Tag (Mittwoch) konnte ein Teil der Teilnehmer am späten Vormittag die historischen Mineraliensammlungen (einschließlich der Werner-Sammlung) der Technischen Universität (im Abraham Gottlob Werner-Bau) unter der Führung von Andreas Massanek besichtigen. Nach dem Mittagessen stand ein weiterer Höhepunkt, die Besichtigung der "Terra Mineralia" im Schloss Freudenstein am Programm: - eine erst in jüngster Zeit eingerichtete Schausammlung, nur nach Kontinenten geordnet – ansonsten einfach nach Schönheit und Farbenvielfalt. Die Sammlung (ein Lebenswerk) ist von einer Großindustriellen in Form einer Stiftung eingebracht worden.

Ein weiterer Höhepunkt im Vortragssaal des Bergarchivs im Schloss Freudenstein am Abend des 30. September 2009 war die Verleihung des Peter-Schmidt-Awards an Dr. Oskar Burkhardt. Oskar Burkhardt wurde für die Herausgabe der Fachzeitschrift "Nachrichtenblatt zur Geschichte der geologischen Wissenschaften" gewürdigt, die er jahrelang mit großem Idealismus und Elan leitete. Die Ehrengabe – eine Erzstufe aus Freiberg – und die dazu gehörende Urkunde wurde ihm von der Leiterin der Freiberger Universitätsbibliothek, Katrin Stump, feierlich übergeben. Große Freude bereitete den Teilnehmern dieser Ehrung, dass die Witwe, Frau Anke Schmidt, dem Festakt beiwohnte. Im Anschluss an die Ehrung wurden die Tagungsteilnehmer vom Leiter des Bergarchivs Dr. Peter Hoheisl im Lesesaal kulinarisch empfangen.

Verleihung des Peter-Schmidt-Awards
[links] Dir. Katrin Stump überreicht Oskar Burkhardt den Peter-Schmidt-Award
[rechts] Ehepaar U. & O. Burkhardt, A. Kiessling, A. Schmidt, K. Stump

Der Peter-Schmidt-Award wird im Rahmen dieses Fachsymposiums für besonderes Engagement zur Erhaltung des kulturellen Erbes verliehen. Peter Schmidt (1939 - 1999) studierte an der Bergakademie Geologie und war in den 1970er Jahren Kustos des Wissenschaftlichen Altbestandes der Freiberger Universität. Er hat im Verlaufe dreier Jahrzehnte ganz maßgeblich zur Erschließung und Pflege des historisch wertvollen Buchbestandes der Bibliothek der TU Bergakademie Freiberg beigetragen. Im besonderen Maße hat sich Schmidt auch um die Geschichte der Erdwissenschaften verdient gemacht. Er veröffentlichte drei umfangreiche Bibliographien über die von 1949 bis 1983 erschienene Literatur auf dem Gebiet der gesamten Erdwissenschaften. Ab 1976 war er an der Gründung des Arbeitskreises für Geschichte und Philosophie der Geologischen Wissenschaften in der Gesellschaft der Geologischen Wissenschaften beteiligt. Schmidt war einer der Begründer des "Nachrichtenblattes zur Geschichte der Geologie", Veranstalter vieler Tagungen, Herausgeber vieler Tagungsbände und hinterließ eine Fülle vorwiegend wissenschaftsgeschichtlicher Arbeiten, war Mitglied der INHIGEO u.v.a.

Am Donnerstag fanden wieder an beiden Lokalitäten Vorträge statt; am Nachmittag wurde in der "Alten Mensa" die Mitgliederversammlung des deutschen Arbeitskreises zur Geschichte der Geowissenschaften abgehalten, anschließend versammelten sich die Mitglieder des nationalen und internationalen Komitees des "Erbe Symposiums" zu einem kurzen Arbeitsgespräch. Dabei wurde das Datum für das 11. und 12. Symposiums fixiert. Das 13. Symposium, welches Ezio Vaccari in Varese abhalten will, ist für 2013 vorgesehen. Nächstes Jahr in Polen (2010) sollen die Teilnehmer darüber endgültig abstimmen. Das Protokoll der 9. Tagung in Quebec lag leider nicht vor. Daher wurde auch keine Diskussion und Entscheidung über die in Schwaz (2005) von österreichischer Seite vorgelegten, in Quebec erweiterten und nach der Tagung Quebec weiter bearbeiteten Unterlagen geführt (vertagt auf Polen 2010).

Verleihung des Peter-Schmidt-Awards
Dr. Hammer (links) als Münzknecht in historischer Kleidung
mit Dr. Tillfried Cernajsek

Der Abschluss des 10. Erbe-Symposiums fand traditionsgemäß abends in der Betstube der "Alten Elisabeth" statt. Im Vorraum erwartete uns Dr. Hammer mit seinen Münzknechten in historischer Kleidung beim Schlagen einer Tagungsmünze für die Teilnehmer. Nach einem opulenten Buffet leitete Prof. Naumann gemeinsam mit HR. Cernajsek den Ledersprung mit welchem Frau Katrin Stump, Leiterin der Universitätsbibliothek Freiberg, und Herr Dr. Peter Hoheisel, Bergarchiv Freiberg, in die bergmännische Gilde eingeführt wurden.

Neben Vorträgen und Referaten standen auch eine Befahrung des Lehr- und Forschungsbergwerks Reiche Zeche und am Samstag zwei Tagesexkursionen nach Dresden beziehungsweise zu Bergwerksanlagen im Erzgebirge auf dem Programm. Die meisten Vorträge hatten Biographien von Erdwissenschaftern zum Thema, wobei diese vorwiegend auf Recherchen bisher unbekannter Archivmaterialien fußten.

Die Tagesexkursion nach Dresden stand unter der Leitung von Gabriele Meißner (Dresden). Die Tagesexkursion ins Erzgebirge stand unter der Leitung von Jens Kugler (Kleinvoigtsberg). Bei schönstem strahlendem Sonnenschein wurden die Pferdgöpelanlage in Marienberg, der Frohnauer Hammer, die Bergkirche St. Anna mit dem bekannten Bergaltar in Annaberg-Buchholz einschließlich das Schaubergwerk "Marcus Röhling" besichtigt. Während der gesamten Fahrt wurden übertägige Bergwerksanlagen aus dem 16. bis 20. Jahrhundert gezeigt. Darunter die riesigen, jetzt schon zum größten Teil begrünten, Halden der DSAG WISMUT und ein Pochwerk in Schneeberg. Nach Einbruch der Dunkelheit ging es durch Chemnitz, wo ein Blick auf das Gebäude der WISMUT-Verwaltung etc. geworfen werden konnte. Leider konnte an dem Ort von Neufunden verkieselter Hölzer und Saurierreste nur mehr rasch vorbei gefahren werden. Beeindruckend war der riesige Kopf von Karl Marx, welcher während der DDR-Zeiten Namen gebend für die Stadt war.

Verleihung des Peter-Schmidt-Awards
Die Teilnehmer der montanhistorischen Exkursion in das Erzgebirge
vor der St. Annenkirche (spätgotisch, 1499 – 1525 errichtet)
Führung Jens Kugler

Hinter dem 10. Erbe-Symposium stand Frau Angela Kiessling als Seele des Symposiums. Sie hat mit großem Engagement gemeinsam mit ihren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen das Symposium vorbereitet und durchgeführt. Ihnen allen gebührt an dieser Stelle ein besonderer Dank. Die Zusammenfassungen der Vorträge und Poster waren in einem Tagungsband zur Verfügung gestellt. Die Publikation der Vorträge wurde angekündigt, die Manuskripte müssen spätestens zu Weihnachten 2009 bei Frau Kiessling eingereicht werden.



 

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